Wildbret und Radiocäsium

Wildbret und Radiocäsium

Dichtes Netz an Messstationen in ganz Bayern - Bayerischer Jagdverband (BJV) kontrolliert seit Tschernobyl sein Wildbret.

Wie langlebig die Folgen atomarer Katastrophen sind, zeigt das Reaktorunglück von Tschernobyl. In den Fallout-Gebieten ist Schwarzwild noch immer belastet. Mit einem bayernweiten Netz von Radiocäsium-Messstationen sorgt der Bayerische Jagdverband (BJV) dafür, dass kein verstrahltes Wildbret in den Verkehr kommt. Wildbret ist Dank des Jagdverbands eines der bestüber­wachtesten Lebensmittel. Das bestätigt auch eine dpa-Meldung. Darin heißt es: „Die Behördenmitarbeiter haben bei ihren Stichproben kein radioaktiv belastetes Fleisch im Handel oder in Gaststätten gefunden.“

Von den in Bayern im vergangenen Jagdjahr erlegten Wildschweinen weist nur ein geringer Prozentsatz eine erhöhte Strahlenbelastung auf. Grund hierfür ist, dass die Hauptverbreitungsgebiete von Schwarzwild in Unterfranken vom damaligen radioaktiven Niederschlag verschont geblieben sind. In einigen wenigen Falloutgebieten dagegen ist bei ca. 20 Prozent der gemessenen Schweine insbesondere in den Wintermonaten eine erhöhte Radiocäsium-Belastung feststellbar. Weil die Halbwertszeit von Cäsium-137 30 Jahre beträgt, ist davon auszugehen, dass in diesen Gebieten die radioaktive Belastung nur langsam abnimmt.

Um sicherzustellen, dass nur einwandfreies Wildbret auf den Teller des Verbrauchers kommt, hat der Landesjagdverband ein flächendeckendes Netz von Messstationen in ganz Bayern aufgebaut. Dort wird das Fleisch von Schwarzwild kontrolliert, bevor es in den Handel kommt. Für diese Kontrolle stehen in Bayern als einziges Bundesland 108 Messstationen zur Verfügung. Sie werden vom BJV mit seinen Kreisgruppen in Eigenregie unterhalten. Jeder Verbraucher, der Schwarzwild kauft, kann das Messprotokoll einsehen.

Fleisch, das mit mehr als 600 Becquerel pro Kilo belastet ist, muss nach den strengen deutschen und europäischen Fleischhygienerichtlinien vernichtet werden. Es ist  zum Verzehr nicht mehr geeignet.

Hintergrund:

Auch knapp 30 Jahre nach Tschernobyl kann in einigen Teilen Bayerns beim Schwarzwild noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Ablagerung radioaktiver Isotope auf die Böden als Folge des Gaus 1986 im damaligen sowjetischen Unglücks-Meiler fiel europaweit unregelmäßig aus. Während in weiten Teilen Bayerns die erlegten Wildschweine unbelastet oder nur geringfügig belastet sind, beobachtet der BJV in den Fallout-Regionen im Winter und Frühjahr teilweise Überschreitungswerte. Die Regionen mit den höchsten Schwarzwildpopulationen wie Unterfranken blieben von den kontaminierten Niederschlägen verschont. Zu den belasteten Fallout-Gebieten gehören das Voralpenland, Teile Schwabens und der Bayerische Wald.

In diesen Kontaminierungsregionen kann die durchschnittliche Überschreitung des Grenzwertes im Jahresdurchschnitt bei 30 bis 50 Prozent liegen. Ursächlich ist hierfür die Ernährung der Wildtiere im Wald. Die Belastung bei Wildschweinen ist hauptsächlich darauf zurück zu führen, dass sie sich von Hirschtrüffeln und Maronenröhrlingen ernähren, die als Radionuklidsammler gelten, das heißt, diese Pilze reichern strahlendes Cäsium 137 stärker an als andere Pilze.

Alle Messstationen in Bayern und weitere Informationen zum Thema finden Sie unter "Verbraucherschutz und Jagd"